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Interview mit Prof. Andreas Hogan – Hochschule Trier

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Interview mit Prof. Andreas Hogan – Hochschule Trier

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Herr Hogan, Sie arbeiten nun schon einige Jahre als Lehrender an der Hochschule Trier. Warum haben Sie sich damals für Kommunikationsdesign entschieden, bzw. auf welchem Weg sind Sie dazu gekommen?
Schon früh stand für mich fest, später einmal in einem gestalterischen Beruf zu arbeiten. Schließlich entschied ich mich für ein Studium Visuelle Kommunikation, so lautete die damalige Bezeichnung für die Studienrichtung Kommunikationsdesign. Dieses Fachgebiet gehört vermutlich zu den facettenreichsten und in seiner beständigen Entwicklung dynamischsten gestalterischen Bereiche überhaupt.

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Wo haben Sie, nachdem Sie diesen Entschluss gefasst hatten, studiert und was waren Ihre Schwerpunkte?
Ich habe zunächst Visuelle Kommunikation an der Fachhochschule Mainz, später Bildende Kunst an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz studiert. Einer meiner wichtigsten Schwerpunkte war selbstverständlich die Gestaltung von und mit Schrift, allerdings habe ich mich u.a. auch mit Zeichnung, Fotografie, Malerei und Druckgrafik und mit unterschiedlichsten Fachgebieten der visuellen Kommunikation auseinandergesetzt.

Was war Ihr erster Job nach dem Studium?
Bereits während des Studiums war ich viele Jahre als freier Mitarbeiter im Bereich Grafik-Design beim ZDF tätig. Die Parallelität von Studium und designerischer Berufstätigkeit empfand ich als sehr positiv, da beides sich ergänzte bzw. voneinander profitierte. Nach dem Studium arbeitete ich zunächst in einer Festanstellung als Grafik-Designer bei der Audi AG in Ingolstadt.

Wo haben Sie vor der Professur gearbeitet? Warum haben Sie sich dazu entschieden eine Stelle als Professor anzunehmen?
Ich habe als Designer bzw. Entwerfer in der Designabteilung der Adam Opel AG gearbeitet. Die Perspektive mit Studierenden an unterschiedlichsten angewandten, ebenso aber auch experimentellen Projekten der Bereiche Schriftgestaltung und Typografie zu arbeiten, hat mich einfach fasziniert. Ich habe die Entscheidung, in der Lehre zu arbeiten, nie bereut. Leider hat der Anteil an Verwaltungstätigkeiten im Bereich der Selbstverwaltung des Fachbereichs bzw. der Fachrichtung in den letzten Jahren – nicht zuletzt aufgrund der Regelungen im Zusammenhang des Bachelor- und Masterstudiensystems beträchtlich zugenommen.

Was würden Sie einem Studenten, der kurz vor dem Abschluss steht, raten?
Das Studium bereitet auf die Berufstätigkeit als Kommunikationsdesigner/in vor. Es schafft die Grundlage für einen erfolgreichen Berufseinstieg und initiiert bzw. unterstützt die Entwicklung der eigenen Designerpersönlichkeit, die jede/r in eigener Verantwortung sein (Berufs-)leben lang vorantreiben sollte. Dies bedeutet, dafür Sorge zu tragen, sich nach dem Studium ein geeignetes Arbeitsumfeld und berufliche Aufgaben zu suchen, die die eigene gestalterische Entwicklung positiv befördern können. Es geht schließlich nicht darum, nach dem Studium irgendeinen Job in einer Agentur anzunehmen, sondern besonders solche Aufgaben und Projekte bearbeiten zu können, die die eigene designerische Entwicklung positiv befördern und/oder einen überzeugenden Beitrag zum eigenen Portfolio leisten können, z.B. in einer Agentur, in der hervorragende designerische Leistungen entstehen, die Vorbild und Maßstab für die eigene Arbeit sein können.

Wie beurteilen Sie die Lage des Arbeitsmarktes in der Region Trier, Saarbrücken, Luxemburg?
In Trier und Umgebung besteht ein Problem darin, dass kaum größere Unternehmen ihren Hauptfirmensitz in der Region haben. Die „Agenturdichte“ und Infrastruktur ist dementsprechend nicht ganz vergleichbar mit den Metropolregionen in Deutschland. Nichtsdestotrotz gibt es leistungsfähige Agenturen in der Region Trier, Saarbrücken und Luxemburg.

Was wäre Ihr Traum-Projekt?
Ein Buch mit einer Dokumentation meiner Erfahrungen und Beispielen studentischer Arbeiten aus meiner Lehrtätigkeit in Trier.

Welches Gehalt finden Sie für einen Berufseinsteiger nach dem Bachelor bzw. Master Studiengang Kommunikationsdesign als angemessen?
Ohne einen konkreten Betrag zu nennen, bin ich der Meinung, dass das Gehalt der Berufseinsteiger im Bereich Kommunikationsdesign nicht wesentlich vom dem der Hochschulabsolventen anderer Fächer z.B. Informatik, Betriebswirtschaft oder Maschinenbau abweichen sollte. Leider sind die Einstiegsgehälter im künstlerischen Bereich, nicht nur für Kommunikationsdesigner, traditionell oft nicht angemessen hoch. Hinzu kommt das Problem, dass Absolventen anstatt einer festen Stelle gar nicht selten zunächst ein mehrmonatiges Praktikum angeboten wird und dies bei einem Gehalt, dass kaum ausreicht, den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Leider sind die Einstiegsgehälter im künstlerischen Bereich, nicht nur für Kommunikationsdesigner, traditionell oft nicht angemessen hoch.

Mit den Jahren kommt bekanntlich auch die Erfahrung. Was würden Sie anders machen wenn Sie nochmal Berufseinsteiger wären?
Ich hatte das Glück, kurz nach dem Studium in einem Bereich zu arbeiten, der meinem Wunschschwerpunkt, dem der Schrift und Typografie, entsprach. Insofern ist der Berufseinstieg für mich optimal verlaufen. Die Vorbereitung auf ein international geprägtes Arbeitsumfeld, insb. die Sprachkompetenzen, würde ich aus der heutigen Perspektive während des Studiums noch stärker gewichten.

Was halten Sie neben einem aussagekräftigen Portfolio für das wichtigste Kriterium für eine gute Bewerbung?
Neben gelungenen Arbeiten sollten Designer über gültige Kriterien zur Beurteilung von Designleistungen verfügen und in der Lage sein, gestalterische Entscheidungen argumentativ überzeugend zu begründen. Wichtig ist hierfür eine kommunikative Kompetenz nicht nur im visuellen, sondern auch im sprachlichen Bereich. Die inhaltliche Grundlage hierfür ist die Kenntnis designtheoretischer Aspekte, die Fähigkeit zur theoretische Reflexion von gestalterischen Leistungen sowie die Auseinandersetzung (Analyse und Vergleich) mit unterschiedlichen designerischen Positionen und Sichtweisen. Eine Gute Bewerbung nach dem Studium ist für jeden Berufseinsteiger wichtig.

Was würden Sie Studenten, die kurz vor dem Abschluss stehen, im Bezug auf Bewerbungen raten?
Ein Rat kurz vor Studienabschluss wäre möglicherweise zu spät gegeben. Ich empfehle die Erarbeitung und kontinuierliche Weiterentwicklung eines Portfolios ab dem 1. Semester. Schließlich stellt das Portfolio die wichtigste Referenz des gestalterischen Könnens dar. Ansonsten ist zu raten, sich möglichst frühzeitig einen Überblick über die Qualifikationsanforderungen, die Möglichkeiten und die Entwicklungen in der beruflichen Praxis zu verschaffen, um das Studium, also die Fächer- und Projektwahl sowie die inhaltlichen Schwerpunkte daran zu orientieren. Da die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt Kommunikationsdesign – wie in anderen Berufen auch – recht groß ist, immerhin gibt es bundesweit ca. 45 Studienmöglichkeiten für eine Ausbildung im Bereich Kommunikationsdesign, haben besonders diejenigen gute berufliche Perspektiven, die ihr Studium vom ersten Tag an engagiert und eigeninitiativ angehen.

Parallel zum Studium kann der Besuch von Ausstellungen, Fachvorträgen, Symposien, Workshops und anderen Veranstaltungen die eigene designerische Entwicklung sehr gut voranbringen.

Eine gute Option kann die Mitgliedschaft in einem der Berufsverbände AGD (Allianz Deutscher Designer) oder BDG (Berufsverband der Kommunikationsdesigner) sein, z.B. ist der AGD in Regionalverbänden organisiert, die regelmäßige Treffen ausrichten, um den Austausch beruflicher Erfahrungen zu unterstützen. Für Studierende gibt es günstige Mitgliedsbeiträge. Neben gedruckten Informationen, z.B. in Fachmagazinen wie Page, Form und Novum bietet das Internet beste Informationsmöglichkeiten. Parallel zum Studium kann der Besuch von Ausstellungen, Fachvorträgen, Symposien, Workshops und anderen Veranstaltungen die eigene designerische Entwicklung sehr gut voranbringen.

Wie ist Ihre Einstellung zum Thema „Selbstständig machen“ in der Region Trier, Luxemburg, Saarbrücken? Welche Vorteile und Risiken sehen Sie in einer Selbstständigkeit?
Die Arbeit in Selbständigkeit kann durchaus eine sehr gute Alternative zu einer Festanstellung in einer Agentur sein. Allerdings ist es m. E. sinnvoll, zunächst einige Zeit nach dem Studium in einer Agentur zu arbeiten um die Arbeitsabläufe kennenzulernen (Kundenkontakt, Akquise, Organisation und betriebswirtschaftl. Verwaltung, …). Ausreichend gute kommunikative Möglichkeiten im Umgang mit Auftraggebern sollten unbedingt vorhanden sein. Zu empfehlen ist es, sich mit einem Agenturpartner selbständig zu machen, der die eigenen Kompetenzen ergänzen kann (z.B. Print + Digital, Design + Marketing, Design + Akquise/Kontakt). Eine gute Vorbereitung auf die Selbständigkeit bieten Existenzgründungsseminare, die auch durch die Hochschule Trier angeboten werden.

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Die Hochschule fordert von Studieninteressierten eine Bewerbungsmappe. Worauf wird dabei genau geachtet?
Nicht selten sind in den Mappen Arbeiten zu sehen, bei denen sich die Gestalter/innen mit der Darstellung komplizierter Bildinhalte überfordern, da sie die notwenigen gestalterischen Mittel und Techniken noch nicht ausreichend beherrschen. Auf die Musik übertragen wird ein Stück erst dann überzeugend klingen, wenn der Musiker sein Instrument beherrscht bzw. es absichtsvoll einsetzen kann.

Gibt es Dinge, die in der Mappe Pluspunkte bringen oder totale No-Gos?
Positiv sind eigenständige, konzeptionell ausgerichtete und ausdrucksstarke Arbeiten, der Einsatz eines Spektrums gestalterischer Mittel, eine professionelle Präsentation, die Auseinandersetzung mit selbstgestellten Themen, sowie jede neue und eigenständige Idee, die angemessen eingesetzt und überzeugend dargestellt ist. Weniger gut sind Arbeiten, die bekannte Formsprachen lediglich kopieren (z.B. Mangastil, Fantasy). Die gezeigten Gestaltungen sollten vor allem eigenständige Interpretationen und nicht nur Reproduktionen sein. Arbeiten, die ohne wirklichen inhaltlichen Bezug oder Gehalt etwas visuell effektvoll in Szene setzen wollen oder die gängige visuelle Klischees wiederholen sind ebenfalls wenig hilfreich.

Welchen Rat würden Sie einem Bewerber mit auf den Weg geben?
Man sollte der Mappe bzw. der Qualität der Arbeiten ansehen, dass der Entschluss ein Gestaltungsfach zu studieren wirklich eine „Herzensangelegenheit“ bzw. ein ernsthafter Berufwunsch ist. Die Vorbereitung auf die Eignungsprüfung sollte rechtzeitig begonnen und systematisch sein, z.B. ein oder ein halbes Jahr vor der Eignungsprüfung. Die Teilnahme an einer oder mehrerer Mappenberatungstermine hilft bei der Auswahl und Aufbereitung der Arbeiten sowie bei der weiteren Erarbeitung der Mappe.

Wir bedanken uns bei Prof. Hogan, dass er sich die Zeit genommen hat und sind uns sicher, dass viele Bewerber, Absolventen und Designer von seinen sehr informativen Antworten profitieren werden.

Autor: Simon Elsen 

Referenzen:
Bild: upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a7/Paulusplatz_total.JPG
1 kommunikationsdesign-trier.de/?post_type=project&p=1475&image-size=1024-768
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