Sozialwissenschaft

Der Hybrid-Designer in Form des Endnutzers

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Der Hybrid-Designer in Form des Endnutzers

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Der Vorteil, welcher durch die Teilnahme des Endnutzers im Designprozess entsteht, ist bereits oft dokumentiert worden. Kann jedoch, durch diese Teilnahme, eine Inkongruenz zwischen dem gewünschten Endergebnis und der selbst beigetragenen Arbeitsleistung des Endnutzers entstehen?

Taffe (2015) beschreibt die Hypothese, dass ein Endnutzer durch die Rolle des Co-Designers zum reinen Kooperationspartner wird und seinen Bezug zu den eigenen Interessen als Endnutzer einbüßt. Um diese Hypothese genauer zu erforschen fand ein Projekt innerhalb des Gesundheitswesens statt, in dem durch passendes Grafikdesign, Arbeitsprozesse vereinfacht werden sollten. Hierbei wurde ein Teil der betroffenen Personen, als Co-Designer, in den Design-Prozess mit ein bezogen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Co-Designer ihre Rolle als direkte Endnutzer aufgeben, womit die Resultate des Designprozesses an Relevanz einbüßen. In den Gedanken der Co-Designer bildet sich ein imaginärer Endnutzer, welcher jedoch nicht mehr den eigenen Interessen entspricht. Dieses Ergebnis stellt den eigentlichen Designer vor ein Paradoxon. Auf der einen Seite möchte er den Endnutzer als kooperative Kraft nutzen und auf der anderen Seite will er verhindern, dass der Endnutzer seine eigenen Interessen aus dem Auge verliert.

Möglicherweise hat die Idee des Co-Designs eine anderen Bedeutung für den eigentlichen Designer als für den Endnutzer. In anderen Bereichen des Designsektors in denen der Endnutzer z. B. ein handfestes Produkt mit entwickelt, kann er sich vielleicht eher in die Rolle des Endnutzers hineinversetzen, in dem er den direkten Gebrauch als Bezugspunkt nutzt. In dieser Studie, welche sich auf den Bereich: Grafikdesign bezieht, zeigt sich jedoch, dass die Verwendung eines Co-Designers nicht graduell zu Erfolgspotentialen führen muss.

Derzeit gibt es keine weiteren Studien, die diese Tendenz aufzeigen. Damit bietet diese Studie einen ersten Ausblick in die Teilhabe an Grafikdesignprozessen (Taffe, 2015).

Praxisbezug:

Die Entscheidung ob, und wie die Ressource des Co-Designs verwendet wird, liegt immer noch im individuellen Ermessen des Designers. Diese Forschung soll das Co-Design nicht in ein schlechtes Licht rücken, da es sich hier auch um erste Einblicke handelt. Vielmehr kann der Designer dieses Wissen als Hintergrund nutzen, um den Co-Designer in Form des Endnutzers, dabei zu unterstützen, seine eigenen Interessen nicht aus den Augen zu verlieren.

 

Autor: Benedikt Scholer

Referenzen:

Taffe, S. (September 01, 2015). The hybrid designer/end-user: Revealing paradoxes in co-design. Design Studies, 40, 39-59.

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